XRechnung

Die europäische Norm EN16931 definiert einen gemeinsamen Kern (Core Invoice) und nationale Erweiterungen, sogenannte Core Invoice Usage Specifications, CIUS. XRechnung ist die CIUS für Rechnungen an deutsche Behörden. Die aktuelle Version ist 2.2.0.

Beispiel:
Die Core Invoice erfordert für den Empfänger als Pflichtangaben lediglich Empfängerland und Email-Adresse. Laut deutschem §14 Umsatzsteuergesetz muss eine Rechnung allerdings die Postanschrift des Empfängers beinhalten. Die Postanschrift ist folgerichtig unter den Attributen, die deutsche CIUS, die XRechnung, verpflichtend macht. In der XRechnung gibt es auch zusätzliche nichtverpflichtende Angaben wie Skonto. Skonto (also Rabatt für schnelle Zahlung) ist zwar auf deutschen B2G-Rechnungen üblich, im restlichen Europa aber nicht gebräuchlich und deshalb nicht Teil der Core Invoice.

Gesetzgeberische Vorraussetzung war ein Praxislauf, der mit gemischten Ergebnissen abgeschlossen wurde.

Der Absender einer XRechnung kann entscheiden, ob er diese in UBL oder UN/CEFACT CII XML einreichen möchte. Eine UN/CEFACT XRechnung (wie dieses Beispiel) basiert auf derselben Schema-Datei und ist identisch zu der eingebetteten XML-Struktur in einem ZUGFeRD 2.0 PDF nach dem EN16931 Profil.

Name Veröffentlichungsdatum Datei format Hybrid B2G B2B mit Abstimmung B2B ohne Abstimmung B2C XML Dialekt
XRechnung 1.0 10.05.2017 .xml Nein Ja Ja Nein Nein UBL, UN/CEFACT CII
XRechnung 1.1 30.11.2017 .xml Nein Ja Ja Nein Nein UBL, UN/CEFACT CII
XRechnung 1.2 18.12.2018 .xml Nein Ja Ja Nein Nein UBL, UN/CEFACT CII
XRechnung 2.0 30.06.2020 .xml Nein Ja Ja Nein Nein UBL, UN/CEFACT CII
ZUGFeRD 1.0 25.06.2014 .pdf Ja Nein Ja Ja Ja UN/CEFACT CII
ZUGFeRD 2.0 11.03.2019 .pdf Ja Ja Ja Ja Ja UN/CEFACT CII

Auf Heise finden Sie eine ZUGFeRD/XRechnung Gegenüberstellung.

Die XRechnung hat open-source XSLT style sheets veröffentlicht, die EN16931 XML in HTML umwandeln, und die auch mit EN16931-ZUGFeRD 2 und Factur-X-Dateien funktionieren.

Es gibt Online-Tools, um sich beispielsweise eine UBL-XRechnung zusammenzuklicken.

Die generelle Idee ist, dass Rechnungen an nationale Behörden über zentrale Websites, Chorus in Frankreich und die “Zentrale Rechnungseingangsplatform” (ZRE) in Deutschland, hochgeladen werden. Die ZRE hat Zugänge für das Einreichen von produktiven sowie von Testrechnungen und benutzt höchstwahrscheinlich den Open-Source Kosit Validierer für Eingangsrechnungen. Ebendieser wird vermutlich auch auf dem OZG-RE (Testzugang), dem Rechnungsportal einiger Bundesländer benutzt.

Der Anteil von Unternehmen, die XRechnung versenden, beträgt laut Bitkom-Studie im September 2021 etwa 26%, der 43% der Unternehmen die überhaupt elektronische Rechnungen versenden.

Umsetzung

Wie auch ZUGFeRD, verwendet die XRechnung die EN16931 Rechenregeln für die Berechnung und Codelisten für die erlaubten Attribute.

Leitweg-ID

Es wird, um einen zentralen Upload zu ermöglichen, einen als “Leitweg-ID” codierten Empfänger im Feld BuyerReference angegeben. Es gibt eine Spezifikation für Leitweg-ID 2.0 mit Prüfziffer. Obwohl der Bedarf dokumentiert wurde gibt es noch außer für Nordrhein-Westphalen keine öffentliche Komplettliste oder einen Onlinedienst um Leitweg-IDs überprüfen zu können.

Eine gegen das ZRE Testportal verwendbare Leitweg-ID ist beispielsweise die des DWD, die Herr Dedus in seinen Folien erwähnt.

Länderebene

Herr Hauschild hat Anfang 2018 in einer Rede die Situation der Länder, Städte und Landkreise zusammengefasst: (siehe Folien). Er empfahl Leitlinien für die Behörden.

Seit 2019 veröffentlicht die Kosit eine detaillierte Beschreibung (Ausgabe Juli 2021) der Umsetzung in den Ländern. Zusätzlich hat der Verband E-Rechnung eine Karte mit Informationen pro Bundesland veröffentlicht.
Neben dem Bundes-ZRE benutzen einige Länder (sowie einige Behörden wie die BAFIN oder das DLR) das OGZRE.

Alle Bundesländer werden elektronische Rechnungen annehmen, sie ist aber nur in einigen für Lieferanten verpflichtend: In Bremen seit 27.11.2020, in Baden-Württemberg und dem Saarland ab 01.01.2022, in Rheinland-Pfalz ab 01.01.2024 und in Hessen ab 18.04.2024.

Bei Bonpago gibt es eine interaktive Karte, wo welches Portal zum Einsatz kommt.
Screenshot der Bonpago-Karte der Bundesländer und deren benutztes XRechnung-Portal

Versionen, Profile

Die XRechnung 2.0 wurde am 30.06.2020 veröffentlicht und wird zum 01.01.2021 verpflichtend. Eine Email vom 08.12. von bmf.bund.de (Ticket 451793, Gz:II E 2 – O 1918/19/10060:016., Dok: 2020/1289755) deutet an, dass die Übergangsfrist, bis zu der noch XR 1.2.2 akzeptiert werden würde bis 30.06.2021 andauert.

Die XRechnung hat ab Version 2 zwei Profile (Standard und Extension) und nach der Veröffentlichung der Spezifikation wurden auch die Beispieldateien, die Validierungs-Schematron und die Kosit-Validiererkonfiguration aktualisiert. Derzeit sind lediglich UBL-Beispiele für das Extension-Profil verfügbar.

Anhänge

Rechnungsbegründende Unterlagen wie Protokolle, Aufmaße oder Stundenlisten können Base64-encoded in die XML-Datei eingebettet werden, die technischen Nutzungsbedingungen erlauben bis zu 200 Anhänge die insgesamt nicht größer sein dürfen als 11MB. Erlaubte Dateitypen sind

  • application/pdf (.pdf)
  • image/png (.png)
  • image/jpeg (.jpg)
  • text/csv (.csv)
  • application/vnd.openxmlformats-officedocument.spreadsheetml.sheet (.xslx)
  • application/vnd.oasis.opendocument.spreadsheet (.ods)

Der Typecode für diese Anhänge ist oft “916”.

Beispiele

Beispielsweise Schütze Consulting hat einen Rechnungsgenerator und bietet gegen kostenlose Registrierung 50 Beispieldateien in UBL und UN/CEFACT. Weiterhin gibt es an Beispielen:

Codelisten

Alle erlaubten Attributwerte sind in der Tabelle Full listing of the code lists as used in EN16931 aufgeführt.

Branchenempfehlungen

Beispielsweise die Deutsche Bahn AG fragt nach bestimmten Attributen wie BT-132.

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